Année

Intersektionalität

Intersektionalität

Die Soziale Arbeit engagiert sich für die Integration und Teilhabe von Menschen, die unterschiedlich von Diskriminierung und, damit verbunden, von Exklusion betroffen sind. Die Realität zeigt, dass Diskriminierung und Ausschluss aus der Gesellschaft sich nicht auf eine einzige Ursache oder ein einziges Merkmal reduzieren lassen. Das Konzept der Intersektionalität geht dem Zusammenspiel von vielfältigen Diskriminierungen, sogenannten Mehrfachdiskriminierungen, auf den Grund und rückt dabei die sich gegenseitig verstärkenden bzw. kompensierenden Wirkungen ins Zentrum ihrer Analysen und Interventionen.

Nicht in jedem Fall ist das Zusammentreffen mehrerer Merkmale und ihrer potenzierten Wirkung sicht- und erkennbar. Umso wichtiger ist es, dass wir dafür sensibilisiert sind, um solchen Situationen professionell begegnen zu können. Dabei ist immer auch eine grosse Portion Selbstreflexion gefragt.

Sicher haben Sie, liebe Leser*innen, auch schon Situationen erlebt, bei denen Sie in der Rückschau realisiert haben, dass auch Sie über blinde Flecken verfügen und dabei in einzelnen Situationen Klischees bedient haben. Das ist einer der Gründe, weshalb wir uns entschieden haben, ein Heft zu Intersektionalität zu erarbeiten. Mit diesem möchten wir die Möglichkeit bieten, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, die eigene Wahrnehmung diesbezüglich zu schärfen und das eigene professionelle Handeln entsprechend weiterzuentwickeln.

Peter Streckeisen und Susanne Nef bieten in unserem Schwerpunkt einen spannenden Ein- und Überblick zu Intersektionalität: Ihnen beiden danken wir an dieser Stelle ganz herzlich für ihre wertvollen Anregungen zum Aufbau dieses Themenhefts. In drei Beiträgen wird das Konzept der Intersektionalität konkretisiert: In einem Gespräch mit zwei Frauen aus der Sozialen Arbeit schauen wir dies etwas näher am Berufsalltag an. Lisa Tschumi greift ein zentrales Thema der Intersektionalität auf – die Critical Whiteness. Implikationen für Handeln, Haltung und Reflexion Sozialer Arbeit beschreibt Thomas Eppenstein.

Weitere Beiträge beleuchten das Konzept der Intersektionalität mit Bezug auf die Ausbildung. So bieten Maritza Le Breton und Martin Böhnel einen Einblick in die Rahmenbedingungen und Konsequenzen von Internationalisierungsprozessen an Fachhochschulen unter besonderer Berücksichtigung der Ungleichheitskategorien Migration und Geschlecht von und deren Wechselwirkung. Kerstin Bronner, Ver fasserin eines Lehrbuchs zu Intersektionalität, berichtet von den Gesprächen, die sie in diesem Zusammenhang mit Teams in Praxiseinrichtungen geführt hat. Isabelle Ihring und Bianca Bassler wiederum bringen die intersektionale Perspektive am Beispiel der Kinderund Jugendhilfe in der Schule näher.

Abgerundet wird das Schwerpunktthema durch den Beitrag von Kathrin Schrader, welche die Bedeutung des betroffenenkontrollierten Ansatzes beleuchtet, sowie durch den Text von Stefanie Duttweiler, in dem Überlegungen zur intersektionalen Jugendarbeit präsentiert werden.

CHF15.00

Körperliche Behinderung

Körperliche Behinderung

Die gängigen Modelle zur Definition und Klassifizierung von Behinderungen beschreiben diese als Wechselwirkung zwischen Menschen mit Beeinträchtigungen und einstellungsund umweltbedingten Barrieren (UNBehindertenrechtskonvention BRK) beziehungsweise schildern den funktionalen Gesundheitszustand, die Behinderung, die soziale Beeinträchtigung sowie die relevanten Umweltfaktoren von Menschen (Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit ICF).

SozialAktuell legt in diesem Heft den Fokus auf Körperund Sinnesbehinderung. Ein Rückfall ins längst überwunden geglaubte «medizinische Modell», welches Behinderung primär als individuelles gesundheitliches Problem betrachtet? Keinesfalls! Das sogenannte «soziale Modell», welches Behinderung als eine kollektive Herausforderung für die Gesellschaft versteht, ist gerade für die Soziale Arbeit wertvoll, da es die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ins Zentrum stellt. Die Definitionen und Klassifizierungen von BRK und ICF sind richtig und wichtig. Sie eignen sich jedoch kaum als Grundlage für eine individuelle Hilfeund Entwicklungsplanung.

Selbstverständlich handelt es sich bei Menschen mit körperlicher Behinderung nicht um eine homogene Gruppe. Die Vielfalt ist auch bei körperlichen Behinderungen kaum zu überblicken, die Grenzen zu chronischen Krankheiten oder anderen Formen der Einschränkung sind teilweise fliessend. Ich hoffe jedoch, dass die im vorliegenden Schwerpunkt vorgenommene thematische Beschränkung auf körperliche Behinderung zu einer inhaltlichen Fokussierung führt, welche im Diskurs der Sozialen Arbeit – so mein empirisch allerdings nicht abgestützter Eindruck – sonst eher zu kurz kommt.

Beiträge zu Barrieren bei körperlicher Behinderung beschränken sich oftmals auf die Themen öffentlicher Verkehr oder Zugang zu öffentlichen Gebäuden. Zweifellos zentrale Themen, welche der Vielfalt der Herausforderungen im Alltag von Menschen mit körperlichen Behinderungen und Sinnesbeeinträchtigungen jedoch nicht gerecht werden. Auch 17 Jahre nach Einführung des Behindertengleichstellungsgesetzes und fast fünf Jahre nach Ratifizierung der Behindertenrechtskonvention werden Menschen mit körperlicher Behinderung in ihrem Alltag permanent mit Schwellen im übertragenen und eigentlichen Sinne des Wortes konfrontiert.

Die Schweiz – man verzeihe mir in diesem Zusammenhang die Metapher – hinkt gerade bei der Gleichstellung von Menschen mit körperlicher Behinderung hinterher. Dies hat auch historische Gründe. Während in den Nachbarsländern zwei Weltkriege dazu geführt haben, dass Menschen im Rollstuhl, an Krücken oder mit Blindenstock zum Strassenbild gehörten, blieb der Mensch mit sichtbarer Behinderung in der Schweiz des 20. Jahrhunderts eine Ausnahme. Dies hat Auswirkungen bis heute: Während beispielsweise Länder wie Grossbritannien oder Deutschland, die eine grosse Zahl von Kriegsversehrten zählten, Betriebe verpflichteten, diese einzustellen, sind Menschen mit Behinderung in der Schweiz nach wie vor auf den guten Willen, das Engagement und die Flexibilität von einzelnen Arbeitgebern angewiesen, um eine Stelle im freien Arbeitsmarkt zu erhalten.

Umso bemerkenswerter sind die Leistungen von Direktbetroffenen, die seit Jahren ihr Recht auf ein selbstbestimmtes Leben einfordern, erkämpfen und umsetzen. Auf den folgenden Seiten kommen denn auch neben Fachpersonen aus Organisationen, die sich für einen barrierefreien Alltag engagieren, vor allem Autorinnen und Autoren mit Beeinträchtigungen zu Wort, die engagiert und persönlich Einblick geben in ihre Aktivitäten und Projekte.

CHF15.00

Niederschwelligkeit

Niederschwelligkeit

«Komm, wir machen einen Schwerpunkt zum Thema Nieder­schwelligkeit», haben wir gedacht. «Das ist ein gängiger Begriff in der Sozialen Arbeit», haben wir gedacht. «Da haben viele was dazu zu sagen», haben wir gedacht.
Ja, die Arbeit am Schwerpunkt Niederschwelligkeit war für uns alles andere als niederschwellig. Der Begriff wurde nicht ver­ standen, unsere Ideen waren zu hochschwellig. So wollten wir unter anderem von einem Dienstleister des öffentlichen Verkehrs wissen, wie Niederschwelligkeit im öffentlichen Verkehr umge­ setzt wird, welche Herausforderungen damit verbunden sind und wie der Begriff in diesem Kontext verstanden wird. Nach längerer Stille wurde uns auf unsere erneute Nachfrage mitgeteilt, dass man die Anfrage nicht verstanden und diese deshalb auch nicht beantwortet habe.
Umso erfreuter sind wir, dass wir Ihnen nun eine Nummer vorlegen können, in der Professionelle der Sozialen Arbeit den Begriff fül­len und niederschwellige Angebote vorgestellt werden. Von den Angeboten der Gassenarbeit des Vereins Schwarzer Peter in Basel bis hin zu denjenigen des Luzerner Sinfonieorchesters reicht das weite Feld. Zudem werfen Fachpersonen aus anderen Berufs­ feldern einen Blick auf den Begriff sowie die Soziale Arbeit. Mit dem spannenden Ergebnis, dass die Soziale Arbeit die Augen vor den Entwicklungen der Digitalisierung nicht verschliessen kann, sondern sich aktiv damit auseinandersetzen und sich deren Neu­ erungen zunutze machen sollte. Im Beitrag von Thomas Brunner erfahren Sie, wie ein solch neuartiges Angebot aussehen kann. Wir erhoffen uns mit diesem Schwerpunkt, dem häufig gebrauch­ten Begriff etwas mehr Konturen zu geben und Sie als Lesende anzuregen, weiterzudenken. Ganz niederschwellig natürlich. Wir wünschen eine gute Lektüre.

CHF15.00

Psychische Erkrankungen

Psychische Erkrankungen

Bestimmt kennen Sie jemanden mit einer psychischen Erkrankung – falls Sie nicht sogar selbst betroffen sind. Das Risiko, einmal im Leben an einer psychischen Störung zu erkranken, beträgt 48 Prozent, erklärt die Psychologin Astrid Mattig. Vielleicht kommt Ihnen eines der anonymisierten Fallbeispiele bekannt vor, von de- nen Hugo Laager aus der Berufserfahrung eines Sozialarbeiters in einer psychiatrischen Klinik berichtet. Mag sein, dass Sie Ihren Arbeitsplatz mit einem psychisch beeinträchtigten Menschen teilen – Niklas Baer beschäftigt sich mit den Folgen psychischer Störungen auf die Arbeitswelt und mit den Erfolgen und Miss- erfolgen der jüngsten IV-Revisionen.
Vielleicht wissen Sie aber auch von niemandem, dass er oder sie psychisch erkrankt ist. Noch immer ist es ein Tabu, darüber zu sprechen, zu sehr haftet den Störungen heute noch der Glaube an Chronizität und Unheilbarkeit an, schreibt Uwe Bening und zeigt, wie der Recovery-Ansatz den Teufelskreis durchbrechen kann. Besonders belastend ist die Situation psychisch kranker Mütter. Renate Gutmann analysiert in ihrer Studie, welche besonderen Herausforderungen sich hier stellen und welche Art von Unterstützung sinnvoll ist. Unser historischer Streifzug legt dar, wie psychi- sche Krankheiten früher wahrgenommen und behandelt wurden – das Erbe dieser Geschichte voller Exorzismus, Tötung und Menschenversuchen prägt bis heute Ängste und Vorurteile gegenüber Aufenthalten in einer psychiatrischen Klinik.
Katrin Gehring, Matthias Jäger und Anastasia Theodoridou zeigen auf, welche ethischen Dilemmata fürsorgerische Unterbringungen aufwerfen und wie diese mit einer Patientenverfügung abgemildert werden können. Dass akute Selbstgefährdung einerseits ein Grund für eine Zwangseinweisung in eine Psychiatrie darstellen kann und andererseits das Bundesgericht in einem Leitsatzentscheid festgehalten hat, dass unter bestimmten Voraussetzungen auch psychisch kranke Menschen Sterbehilfe in Anspruch nehmen können, legt uns Melanie Kuhn dar. Der Forschungsbericht des internationalen Verbandes der SozialpädagogInnen (AIEJI) verdeut- licht zudem, wie wichtig die Wahrnehmung und die Benennung psychischer Beeinträchtigungen sind.
Wir haben uns für den Hefttitel «psychische Erkrankungen» ent- schieden, obwohl die einschlägigen Diagnosehandbücher in Anlehnung an den englischen Begriff «disorder» von «psychischen Störungen» sprechen. Wie sich Erkrankte, Gestörte oder Beein- trächtigte in unsere Gesellschaft integrieren, hängt von uns allen ab.
Was in diesem Heft fehlt, ist die Stimme der Betroffenen. Unser Aufruf bei Selbsthilfegruppen in der Schweiz führte leider nicht dazu, dass psychisch erkrankte Menschen uns ihre Erfahrungen mit Sozialarbeitenden schilderten. So reden wir in diesem Heft zwar über psychisch erkrankte Menschen, aber nicht mit ihnen.

CHF15.00

Betreuung

Betreuung

Ist die stationäre Betreuung und Begleitung von Menschen mit Beeinträchtigungen oder von Kindern und Jugendlichen ein Auslaufmodell aus dem 19. Jahrhundert? Oder sind Heime mit ihrem passgenauen Setting und ihrem spezialisierten Angebot auch im 21. Jahrhundert unverzichtbar? Mit diesem Spannungsfeld setzen sich die Autorinnen und Autoren dieses Schwerpunktes auseinander. Dabei wird der aktuelle Stand der Diskussion in der Schweiz dargestellt und Bezug auf Entwicklungen im Ausland genommen. Sowohl für das Festhalten an stationären Angeboten wie auch für die konsequente Förderung von alternativen ambulanten Angeboten gibt es gute Argumente. Schwarzweissmalerei ist fehl am Platz; was Not tut, ist eine vertiefte fachliche Auseinandersetzung. Diese muss zwingend zusammen mit den betroffenen Menschen geführt werden. Die Beiträge auf den folgenden Seiten sollen einen Beitrag zu dieser Diskussion leisten und zu einem fachlichen und gesellschaftlichen Diskurs anregen. Es dünkt uns sehr wichtig, dass wir Professionellen der Sozialen Arbeit diesen aktiv einfordern.
Unbestritten ist, dass uns die UN-Behindertenrechtskonvention und die UN-Kinderrechtskonvention dazu verpflichten, die betroffenen Menschen mit Beeinträchtigungen sowie die Kinder und Jugendlichen mit ihren Bedürfnissen ernst zu nehmen, ihre Partizipation zu ermöglichen und mit ihnen an der Vision einer inklusiven Gesellschaft weiterzuarbeiten.
Stationär oder ambulant (oder etwas dazwischen)? Diese Diskussion soll also aufgrund der Bedürfnisse und Rechte der betroffenen Menschen geführt werden und darf nicht durch das Festhalten an bestehenden Strukturen oder den unsäglichen Sparwahn geprägt sein.
In diesem Sinne wünschen wir eine anregende und spannende Lektüre.

CHF15.00

Hilfen zur Erziehung

Hilfen zur Erziehung

Wenn eine angemessene Förderung und Erziehung nicht möglich ist, haben die betroffenen Kinder und Jugendlichen sowie deren Eltern Anspruch auf Hilfen zur Erziehung. Dieser in der Schweiz relativ neu eingeführte Begriff umfasst die Angebotspalette der intensiven ambulanten und stationären Leistungen der Kinderund Jugendhilfe wie beispielsweise sozialpädagogische Familienbegleitung oder Heimerziehung.
Der Anteil der Jugendlichen mit einem Bedarf an Hilfen zur Erziehung ist klein. In dieser Gruppe gibt es nochmals einen kleinen Anteil an Jugendlichen, die auch das Helfersystem an seine Grenzen bringen. Auch wenn sich diese sogenannten «Systemsprenger » bezogen auf alle Jugendliche in der Schweiz numerisch im Promillebereich bewegen, binden sie einen Grossteil der Ressourcen in Fachdiensten, Kindesschutzbehörden und Heimen und bringen teilweise auch erfahrene Fachleute an den Rand der Verzweiflung und Erschöpfung.
Wie kommt es zu diesen schweren Krisen im Jugendalter? Während die Kinder- und Jugendpsychiatrie den einzelnen Jugendlichen in den Blick nimmt und beispielsweise eine Störung des Sozialverhaltens diagnostiziert, legt die Soziale Arbeit den Fokus traditionell eher auf systemische und soziologische Ursachen. Einig ist man sich heutzutage aber weitgehend darin, dass eine erfolgreiche Betreuung und Behandlung dieser Jugendlichen nur in der Kooperation von Sozialer Arbeit und Kinder- und Jugendpsychiatrie gelingen kann.
Obwohl die Begleitung und Betreuung von Jugendlichen in besonders schweren Lebenssituationen zu den anspruchsvollsten Aufgaben in der Sozialen Arbeit gehört, stehen Fachpersonen dafür wenig spezifische Werkzeuge zur Verfügung. In letzter Zeit sind zwar neue Instrumente im Bereich Kindesschutz entwickelt worden, diese fokussieren aber auf Kindeswohlgefährdungen wie Misshandlung oder Vernachlässigung durch die Eltern und sind bei schweren Verhaltensauffälligkeiten im Jugendalter nur bedingt anwendbar.
Ein Mangel herrscht auch bei den ambulanten und stationären Angeboten für «Systemsprenger». Die Schweiz verfügt zwar über eine grosse Auswahl an qualitativ gut arbeitenden Anbietern von Hilfen zur Erziehung, aber oft fehlt es an der Möglichkeit, für Jugendliche in besonders belasteten Situationen ein massgeschneidertes Angebot zu entwickeln. Seitdem «Carlos» und «Boris» über den medialen Boulevard gezerrt wurden, zögern vermehrt auch Behörden und Ämter, «Sondersettings» zu bewilligen beziehungsweise zu finanzieren.
In diesem Schwerpunkt finden sich neben Beiträgen, die mögliche Ursachen schwerer Krisen im Jugendalter beleuchten, eine Reihe von Artikeln, die Angebote für unterschiedliche Zielgruppen der Hilfen zur Erziehung vorstellen, nicht nur für junge Männer wie «Carlos». Denn Ziel aller Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe muss es sein, Krisen von Kindern, Jugendlichen und Familien rechtzeitig aufzufangen – bevor sie eskalieren und schliesslich Schlagzeilen machen.

CHF15.00

Offene Arbeit mit Kindern

Offene Arbeit mit Kindern

Die Offene Arbeit mit Kindern (OAK) steckt in der Deutschschweiz genauso wie ihre Zielgruppe noch in den Kinderschuhen. Wie der Einstiegsartikel von Julia Gerodetti und Manuel Fuchs zu diesem Thema zeigt, ist erst die Pubertät dieses Leistungsbereichs erreicht, und dies auch nur in den grösseren Städten. Trotzdem weiss ich aus eigener Erfahrung, dass sich diese Arbeit immer mehr verbreitet und Anklang findet. Ich möchte dieses Heft deshalb zum Anlass nehmen, eine kleine Auslegeordnung zu machen, und die Relevanz des Arbeitsfeldes aufzeigen.
Nicole Joerg Ratter knüpft an die Einleitung an und thematisiert die Grundlagen zur Implementierung der OAK. Weil Fachpersonen der OAK meist unterschiedliche Ausbildungen mitbringen, war es mir wichtig, dass Martial Jossi und Silcke Vlecken uns das handlungstheoretische Wissen näherbringen, das für Berufsleute in diesem Feld wegweisend sein kann. Der Kanton Bern setzt den Wirkungsbereich der Offenen Kinderund Jugendarbeit auf 6 bis 20 Jahren fest. Deshalb kann die OAK als Fortführung der Frühen Förderung (vgl. SozialAktuell September 2015) betrachtet werden. Die Aufgaben der OAK als Bildungsort werden im Artikel von Nicole Bruderer besprochen. Pascal Riedo verortet die verschiedenen Lernfelder innerhalb der Bildungslandschaft.
Wie in der Jugendarbeit ist auch in der OAK die Partizipation eines der zentralen Handlungsprinzipien. Wie dies umgesetzt werden kann, erläutert Stefanie Bissig. Streng genommen ist die Verbandsarbeit nicht mit der Offenen Arbeit mit Kindern gleichzusetzen, doch kann die OAK aus meiner Sicht sowohl inhaltlich wie auch strukturell einiges von ihr lernen. Deshalb freue ich mich sehr über den Beitrag von Andreas Tschöpe. Nähe und Distanz sind in der Sozialen Arbeit überall ein Thema. Gerade in einem noch jungen Leistungsbereich wie der OAK herrschen oft noch Unklarheiten, wie mit dieser Thematik umgegangen werden soll. Karin Iten von der Fachstelle Limita setzt sich für uns damit auseinander. Zum Abschluss des Thementeils schnuppern wir nochmals etwas Praxisluft und lassen uns vom Projekt Tüftelwerkstatt begeistern!

CHF15.00

Sexarbeit

Sexarbeit

Haben Sie schon einmal Liebe beziehungsweise Sex gekauft oder gegen Bezahlung angeboten? Gemäss Aidshilfe Schweiz nimmt jeder fünfte Mann in der Schweiz mindestens einmal im Jahr die Dienste einer Prostituierten in Anspruch. Jeder zehnte schwule Mann in Zürich geht regelmässig zu Strichern. Auch Frauen sind Kundinnen im Sexgewerbe. Wie oft sie einen Callboy buchen, schlägt sich in keiner Statistik nieder. Unbestrittener Fakt zum Thema käuflicher Sex ist: Selten bis nie sprechen Männer und Frauen über dieses intime und private Thema. Die zahlreichen Angebote im Internet, in speziellen Häusern, auf offener Strasse, in seriösen und weniger seriösen Clubs, auf Strichplätzen, in Kontaktbörsen und unzähligen Inseraten sprechen für sich. Die Vielfalt der Bezeichnungen ebenfalls: vom Dirnen wesen übers Laufgeschäft und den Liebesdienst bis zum ältesten, ambulanten oder horizontalen Gewerbe. Doch ist Prostitution bzw. Sexarbeit ein Gewerbe wie jedes andere, nur weil Steuerpflicht und Sozialabgaben auch hier gelten? Offiziell ist die Prostitution längst nicht mehr sittenwidrig. Seit 75 Jahren ist die Prostitution in der Schweiz legal. Das Bundesamt für Polizei schätzt den Erlös der Rotlichtbranche in der Schweiz auf jährlich 3,2 Milliarden Franken. Nichtsdestotrotz ist Sexarbeit nach wie vor ein Tabu, verbunden mit zahlreichen Vorurteilen und Diskriminierungen. Die AutorInnen verwenden im vorliegenden Heft sowohl die Begriffe Prostitution wie auch Sexarbeit bzw. Sexarbeiter und Sexarbeiterinnen. Juristisch wird Sexarbeit in der Schweiz bisher als Prostitution bezeichnet. Gewisse Fachorganisationen nehmen heute jedoch Abstand von der Bezeichnung. Und im Kanton Luzern beispielsweise befindet sich aktuell ein Gesetzesentwurf über die Sexarbeit in der Vernehmlassung. Auf folgende Fragen suchen wir mit unserem Schwerpunkt Antworten: Welche Arbeits felder ergeben sich für die Soziale Arbeit und die Seelsorge? Ist Prostitution ein soziales – und nicht nur ein privates – Problem? Welche Unterstützung brauchen und nutzen Prostituierte wirklich? Stärker noch als die weibliche ist die männ liche Prostitution in unserer Gesellschaft tabuisiert. Was beschäftigt die männlichen Sexarbeiter? Handelt es sich bei den Dienstleistungen für Menschen mit Beeinträchtigungen von sogenannten BerührerInnen um eine Form von Prostitution? Ist Sexarbeit eine grund legende Verletzung von Frauen- bzw. Menschenrechten und muss sie verboten werden? Oder soll man für die Anerkennung der Rechte von SexarbeiterInnen kämpfen? Eine Vielzahl an Spannungsfeldern, auf welche unsere Autorinnen und Autoren eingehen. Sex gegen Bezahlung ist eine Realität. Die käufliche Liebe hingegen ist und bleibt eine Illusion. Käuflich ist höchstens die Illusion der Liebe. Wir wünschen Ihnen eine interessante Lektüre.

CHF15.00

Freiwilligenarbeit

Freiwilligenarbeit

Freiwilliges Engagement und Milizprinzip sind tragende Säulen der schweizerischen Zivilgesellschaft. Diese ist nicht nur ein wichtiger Motor für gesellschaftliche Veränderung und Innovation – auch in unserem Garten, in der Betreuung und Beratung von Menschen, wird unermessliche Arbeit aus der Zivilgesellschaft heraus geleis­tet. Es sind Hunderttausende, die nicht bei der Frage stehen blei­ben, was sie Sinnvolles tun könnten, sondern die sich schon heute für die Gemeinschaft engagieren.
In der Schweiz sind 40% der Bevölkerung in der informellen und 25% in der formellen Freiwilligenarbeit tätig. International gese­hen ist das ein Spitzenwert. Die hohe berufliche Verfügbarkeit, der Wunsch nach Ungebundenheit und Flexibilität in der Freizeit und der Aufwand für die Selbstinszenierung nehmen heute zwar einen hohen Stellenwert ein, scheinen aber die Bereitschaft zur freiwilligen Arbeit nicht zu vermindern.
Freiwillige sind aktive, gesellige und freundliche Menschen, und Freiwilligenarbeit gilt als moralisch gut. Das ist empirisch belegt. Freiwillige gehen aber durchaus von einem gegenseitigen Nehmen und Geben aus. Sie haben Ansprüche an klare Aufträge und Rol­lenzuweisungen, sie wollen Engagement mit Lernen verbinden und sie schätzen persönliche und öffentliche Anerkennung. Darin unterscheiden sie sich nicht von den Professionellen. Die profes­sionelle Soziale Arbeit hat ihren Ursprung im freiwilligen und kirchlichen Engagement. Ist vielleicht aus diesem Grund der Blick der Profis auf die Freiwilligen geprägt von einer gewissen Ambi­valenz und Spannung?
Wir versuchen in dieser Ausgabe von SozialAktuell trotzdem hin­zuschauen. Wir blicken dabei über verschiedene Grenzen: System­grenzen, nationale Grenzen, disziplinäre Grenzen. Dabei können Fragen auftauchen wie: Haben jetzt die Monetarisierung, die Öko­nomisierung, das Effizienzdenken auch die Freiwilligenarbeit er­reicht? Wie kann dem abnehmenden Engagement in der formel­len Freiwilligenarbeit begegnet werden? Wohin steuert die Zivil­gesellschaft bei stärkerer Professionalisierung und gesellschaft­licher Ausdifferenzierung?
Wir wissen es nicht, freuen uns aber, wenn Sie sich auf das Thema einlassen und sich – freiwillig engagiert – zu einem Kommentar oder einer Stellungnahme hinreissen lassen.
CHF15.00

Auf dem Weg zur lernenden Organisation

Auf dem Weg zur lernenden Organisation

«Das haben wir schon immer so gemacht!» Das ist nicht nur im bernischen Emmental ein häufig gehörtes Argument, um anstehende Entwicklungen oder neue Vorgehensvorschläge zu verhindern. Argyris, Schön und Senge haben vor zwanzig Jahren mit ihren Theorien zu «Lernen in Organisationen» und der Forderung nach «lernenden Organisationen» die Management- und Organisationsbranche und die Leitungsverantwortlichen verunsichert und gleichzeitig fasziniert. Institutionen müssen zu lernenden Organisationen werden, damit sie sich dem raschen Wandel der Umwelt und den Erfordernissen der Anspruchsgruppen anpassen. Dies wurde fortan zur Leitidee in Weiterbildung und Managementseminaren.
Was haben diese Ansätze gebracht, und wo stehen wir heute diesbezüglich im Sozialbereich? Das fragten wir uns und einigten uns im Redaktionsteam auf den vorsichtig formulierten Titel: «Auf dem Weg zur lernenden Organisation».
Roger Pfiffner beleuchtet in seinem Einführungsartikel den heutigen Stand der Diskussion rund um das Lernen in sozialen Organisationen. Der Soziologe Kühl kritisiert diese Konzepte und weist auf Widersprüche hin. Organisationen müssen sich auf Veränderungen einlassen, sie müssen jedoch auch erfolgreich ignorieren können. Verschiedene AutorInnen (Geramanis, Herzig, Christ und Forrer, Gehrlach) diskutieren in ihren Beiträgen Projekte und Fragen rund um Lernen, Arbeitsfähigkeit, Qualität und Steuerung in sozialen Organisationen. Zwei Artikel beleuchten diese Fragen ganz konkret aus der Praxis der Sozialpädagogik und der Sozialdienste (Zürcher, Lerch und Wüthrich). Zudem äussern sich Vertretende der Deutschschweizer Fachhochschulen in Kurzbeiträgen über aktuelle Forschungs-, Entwicklungs- oder Dienstleistungsprojekte.
Machen Sie sich selbst ein Bild. Wie lernt die Organisation, in welcher Sie arbeiten, und was ist Ihr Beitrag zur steten Weiterentwicklung der Organisation? Im Zweifelsfall können Sie ja immer noch versuchen, sich an den alten Emmentaler Leitspruch zu klammern.

CHF15.00

Existenzsicherung

Existenzsicherung

Die Sommer-Doppelausgabe von SozialAktuell widmet sich aktuellen Fragen der Existenzsicherung. Bei der Auswahl der Themen und Autoren war es uns ein Anliegen, Ihnen einen Überblick über die derzeit sozialpolitisch brisanten Diskussionen zu geben und Ihnen verschiedene Verständnisse vom Begriff des Existenzminimums vorzustellen. Es sind in der Tat unterschiedliche Vorstellungen von Existenzminimum vorhanden, und viele Leistungen und Aspekte im Zusammenhang von Existenzsicherung stehen aktuell auf dem Prüfstand oder werden sozialpolitisch verhandelt.

Was sind künftige Herausforderungen der Sozialhilfe? Wie sehen Armutsbetroffene ihre Situation? Wie ist der Stand der Debatte bezüglich Revision der Ergänzungsleistungen? Welche Konsequenzen hat die Revision der SKOS-Richtlinien? Warum braucht es eine unentgeltliche Sozialhilferechtsberatung? Wie steht es aktuell um die Forderung, die Steuern bei der Berechnung des betreibungsrechtlichen Existenzminimums zu berücksichtigen? Mit welchen Existenzunsicherheiten sind vorläufig aufgenommene AusländerInnen konfrontiert? Und warum landen Versicherte auf sogenannten Schwarzen Listen? Antworten finden Sie auf den folgenden Seiten, wo unsere AutorInnen zudem die Herausforderungen für die Soziale Arbeit mit kritischen Blicken beleuchten.

Vielleicht vermissen Sie das bedingungslose Grundeinkommen. In der Maiausgabe 2016 haben wir eine mögliche Umsetzung thematisiert und viele kritische Fragen gestellt. Da bei Redaktionsschluss das Abstimmungsergebnis nicht bekannt war, haben wir uns entschieden, das BGE in diesem Heft nicht erneut zu behandeln.

Die unterschiedlichen Fragen zur Existenzsicherung werden der Sozialen Arbeit aller Voraussicht nach erhalten bleiben. Und so lohnt es sich, aus Sicht unserer Profession und Disziplin auch weiterhin wachsam zu sein, inwiefern an den Stellschrauben der sozialen Sicherung weitergedreht wird. Wir möchten Sie ermutigen, die sozialpolitischen Prozesse auch nach der Lektüre dieses Heftes kritisch zu verfolgen und sich entsprechend einzumischen. Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre.

CHF15.00

Gesundheitsförderung und Prävention

Gesundheitsförderung und Prävention

Vielleicht mögen Sie sich noch an die Lektionen zum Thema Prävention in der Schule erinnern. Oder sehen Sie noch die Situation vor sich, als Ihnen als Jugendlicher ein Erwachsener mit einem Budgetformular zeigen wollte, wie Sie richtig sparen könne? Vielleicht haben Sie auch schon mal ein ABC durchgearbeitet von A wie Aids, über D wie Drogen, U wie ungewollte Schwangerschaft bis Z wie Zigaretten. Häufig waren diese Lektionen verbunden mit einem erhobenen Mahnfinger. Ein Bild, welches der Prävention noch heute anhaftet.
Auch wenn es schwierig zu beurteilen ist, ob diese Kritik berechtigt ist oder sich inzwischen erübrigt hat, lohnt sich die Auseinandersetzung mit neuen Modellen und Konzepten der Prävention. Neue Begriffe wie Gesundheitsförderung, Settingansatz, Früherkennung und Frühförderung oder Peer-to-Peer-Ansätze lassen erahnen, dass sich die Präventionsarbeit in den letzten Jahren grundlegend gewandelt hat. Gesundheitsförderung und Prävention stellen ein komplexes Feld dar, und viele der Bemühungen, die Begriffe voneinander abzugrenzen, sie theoretisch zu fassen, münden in eine unergründlich scheinende Vielfalt von Autoren, Theorien und Konzepten. Auch die Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung (1986) weist darauf hin, wie breit das Feld ist:
«Gesundheit wird von Menschen in ihrer alltäglichen Umwelt geschaffen und gelebt: dort, wo sie spielen, lernen, arbeiten und lieben. Gesundheit entsteht dadurch, dass man sich um sich selbst und für andere sorgt, dass man in die Lage versetzt ist, selber Entscheidungen zu fällen und eine Kontrolle über die eigenen Lebensumstände auszuüben sowie dadurch, dass die Gesellschaft, in der man lebt, Bedingungen herstellt, die all ihren Bürgern Gesundheit ermöglichen»
Gesundheitsförderung und Prävention liegt jedoch nicht nur in der Verantwortung der einzelnen Individuen. Es liegt vielmehr bei der Gesellschaft als Ganzes, Chancengerechtigkeit, Empowerment und Partizipation einzufordern. Eine Verantwortung, die in der Sozialen Arbeit von grosser Bedeutung ist.
In diesem Sinne wünschen wir Ihnen viel Spass beim Entdecken von neuen Aspekten dieses spannenden Feldes.

CHF15.00